porsche 961

allrad-star in le mans

Die kurze Karriere des Porsche 961 in Le Mans 1986 und 1987

Sonderausstellung Roadbook - Das Porsche Museum weltweit unterwegs

 

Bereits bei der Rallye Paris-Dakar bewährte sich der neue Porsche 959 mit Allradantrieb auf eindrucksvolle Weise: Doppelsieg von Rene Metge/Dominique Lemoyne und Jacky Ickx/Claude Brasseur. Mehr als 20 Tage und rund 14.000 Kilometer war das Team unterwegs, eine enorme Belastung für Mannschaft und Material, die Porsche dem neuen Allradkonzept auch auf der Rundstrecke zutraute. Trotz der noch fehlenden Homologation entwickelte die Weissacher Mannschaft um Roland Kussmaul unter der Bezeichnung 961 eine Rundstreckenversion des 959 für die 24 Stunden von Le Mans. Das IMSA-GTX-Reglement erlaubte ein Fahrzeug mit 3164 ccm Hubraum und zwei Turboladern, das Porsche mit 640 PS Spitzenleistung ins erste Mai-Training nach Le Mans schickte. Rene Metge ließ das Potential des neuen Sportwagens aus Weissach gleich mit der zehntschnellsten Zeit einmal aufblitzen. Er war sogar nicht nur schneller als der Gruppe B BMW M1, sondern auch schneller als zahlreiche Gruppe C1 und C2 Fahrzeuge. Als 26. qualifizierten sich Rene Metge und Claude Ballot-Lena für das 24H Rennen im Juni, bei dem der 1150 Kilogramm schwere, im Windkanal optimierte 961 dann Dank seiner nahezu störungsfreien Fahrt bis zum siebten Gesamtrang nach vorne kletterte. Als erster und einziger Allrad-Sportler in Le Mans gewann der 961 die GT-Klasse , 47 Runden hinter Derek Bell/Al Holbert und Hans-Joachim Stuck, die beim ersten Einsatz des neuen 962 C den Gesamtsieg nach Stuttgart holten.

 

1987 mit Rothmanns-Lackierung am Start

In Rothmanns-Lackierung, mit auf 680 PS gesteigerter Leistung und neuer Fahrerbesetzung brachte das Porsche-Werk den 961 1987 erneut an den Start der 24 Stunden von Le Mans. Um zirka 10 Uhr am Morgen des 14.Juni 1987 endete die Karriere des einzigen Allrad-Fahrzeugs, das je in Le Mans an den Start ging, plötzlich. Zum 199.Mal befand sich der 961, mit Kees Nierop am Steuer, auf dem Weg in Richtung ,,Indianapolis''. Nierop hatte alle Abläufe mehr als verinnerlicht: Er bremste wie in den ersten 7 Stints der bisherigen 18 Rennstunden aus 200 km/h ab, schaltete runter vom sechsten Gang in den vierten-traf aber den zweiten. Bevor er es bemerken konnte und wieder auf der Kupplung stand, hatte die Nadel des Drehzahlmessers bereits Geschwindigkeit aufgenommen. Dann ging alles in Sekundenbruchteilen. Bevor Nierop wieder auf der Kupplung stehen konnte, blockierten die Hinterräder, der 961 drehte sich, krachte in die Leitplanke. Front und Seite waren stark beschädigt, der Motor lief noch und aus einer Leitung tropfte Öl auf die heißen Lader. Was dann passierte, hielten die Fernsehkamaras in Le Mans fest. Team-Manager Peter Falk sah die Live-Bilder und meldete sich sofort über Funk bei Nierop: Stop the car and get out! Der 961 brannte längst lichterloh, Nierop stoppte das Auto auf dem Grünstreifen und sprang heraus. Herbei eilende Streckenposten versuchten mit Ihren Feuerlöschern noch das Schlimmste zu verhindern-vergeblich. Nach dem Rennen konnten nur noch Überreste des Allrad-Unikats zurück nach Stuttgart gebracht werden.

Quelle: Automobilsport-Magazin / Robert Weber